Trumps Zollpläne: Risiko für US-Handelspartner – und die US-Wirtschaft selbst
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Zwischen 1900 und 2002 hatten zumeist die USA weltweit das größte Exportvolumen. Dann stand Deutschland ein paar Jahre an der Spitze. Doch mit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 wurde das Reich der Mitte schnell zum wichtigsten Glied der globalen Lieferketten und ist seit 2009 Exportweltmeister.
Der Wandel Chinas zum größten Lieferland der Welt war Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit ein Dorn im Auge. Demnächst könnte sich das Handelsverhältnis der beiden größten Volkswirtschaften weiter verschlechtern, nachdem Trump bereits angedroht hatte, noch strengere Beschränkungen für Importe aus China durchsetzen zu wollen.
Die USA sind ein Nettoimportland. Das Handelsdefizit hatte 2022 einen Rekordstand erreicht. 2023 ging es dagegen kräftig zurück, vor allem weil sich die Rohölimporte deutlich verringerten. Die Preise von Energie und Rohstoffen waren nach einem starken Zuwachs 2022 wieder gesunken. Trump will vor allem mit hohen oder zusätzlichen Zöllen erreichen, dass Unternehmen wieder stärker in den USA produzieren.
Der Handelsstreit mit China läuft bereits seit Anfang 2018. Profitiert davon hat Mexiko, wobei auch die anfälligen Lieferketten eine Produktionsverlagerung in das Land attraktiv gemacht haben. Im Jahr 2023 war Mexiko an China und Kanada vorbeigezogen und war erstmals wichtigster Handelspartner der USA. Zugleich hatte das lateinamerikanische Land China als größten Exporteur in die USA abgelöst.
Trump droht mit Einfuhrzöllen von 25 Prozent auf alle Waren aus Mexiko. Der Republikaner kritisiert Ungleichgewichte im Handel. Er behauptet, chinesische Unternehmen würden Strafzölle umgehen, indem sie in Mexiko investieren. Der Handel zwischen den USA, Mexiko und Kanada ist im Rahmen des Nordamerika-Freihandelsabkommens (USMCA) weitgehend zollfrei.
Neben China und Mexiko müssen sich auch der Nachbar Kanada sowie die EU auf harte Verhandlungen einstellen. So würden zum Beispiel US-Zölle auf importierte Autos die europäische Zulieferindustrie empfindlich treffen. Eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Kearney zeigt, dass die Zölle Milliardenverluste und den Abbau von bis zu 25.000 Arbeitsplätzen verursachen könnten. Besonders betroffen wären demnach Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes sowie deren Zulieferer.
„Rund 640.000 Fahrzeuge werden jährlich aus Europa in die USA exportiert – abhängig vom Szenario könnten die Zölle zu Umsatzverlusten zwischen 3,2 und 9,8 Milliarden US-Dollar auf Herstellerebene führen“, sagt Kearney-Experte Nils Kuhlwein. Mit einer Wertschöpfungstiefe von 25 bis 40 Prozent ergebe sich ein Umsatzverlust für die Zulieferer in Höhe von 1,9 bis 7,3 Milliarden US-Dollar. Der Gewinnrückgang würde bei 733 Millionen bis 3 Milliarden Euro liegen. Das entspricht einer Verschlechterung der Profitabilität um 3 bis 13 Prozent.
USA überholen China als wichtigsten deutschen Handelspartner
Erstmals seit 2016 handelte Deutschland mehr Waren mit den USA als mit dem Reich der Mitte, wie aus einer unveröffentlichten Studie der bundeseigenen Agentur für Wirtschaftsförderung «Germany Trade & Invest» (GTAI) hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Die deutschen Ex- und Importe mit den USA stiegen laut den vorläufigen Daten 2024 auf rund 255 Milliarden Euro. Das bedeutet einen Vorsprung von 8 Milliarden Euro gegenüber dem zweitwichtigsten Handelspartner China. Auf den weiteren Plätzen folgen die Niederlande, Frankreich und Polen.
Deutschland laufe Gefahr, bei erneuten Zollstreitigkeiten seiner beiden wichtigsten Wirtschaftspartner zwischen die Fronten zu geraten: „Unklar ist bislang, wie stark die USA unter Trump die EU und damit auch Deutschland ins Visier ihrer Handelspolitik nehmen.“ Zudem droht laut GTAI eine Verschärfung des US-chinesischen Handelskonflikts und entsprechender Druck auf Deutschland, sich den USA anzuschließen.
Zölle könnten deutsche Unternehmen schwer treffen
Ökonomen fürchten Handelskonflikte und Gegenreaktionen betroffener Länder, die schlimmstenfalls Hunderttausende Jobs in Deutschland vernichten würden. Trumps Zollpläne könnten Deutschland 1 Prozent der Wirtschaftsleistung kosten, hat Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gewarnt.
Doch Simone Menne, Präsidentin der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany), warnt vor Panik. „Schon in der ersten Amtszeit von Trump gab es viele Ankündigungen, längst nicht alle wurden in die Realität umgesetzt“, sagte Menne der Deutschen Presse-Agentur. Sie rate zu Gelassenheit. Es bestehe kein Anlass zu Hektik.
„Hohe Einfuhrzölle würden zudem Präsident Trump und der US-Wirtschaft selbst schaden“, sagte die USA-Expertin. „Dann würden die Preise in den USA steigen, die Inflation zunehmen und der Dollar stärker bewertet werden, was die US-Exporte verteuert. Das wäre nicht gut für die USA. Auch die Unternehmen dort mögen keine Unsicherheit.“
Wandern deutsche Firmen in die USA ab?
Kurzfristig könnten deutsche Firmen sogar von hohen US-Zöllen profitieren, meint Menne mit Blick auf eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Denn wenn andere Länder wie China noch höhere Zölle zahlen müssten, wären deutsche Unternehmen relativ gesehen im Vorteil. Auch Schreckensszenarien, dass deutsche Unternehmen im großen Stil in die USA abwandern, um Zöllen zu entgehen und von niedrigen Steuern unter Trump zu profitieren, erwartet Menne nicht. „Große Investitionen haben jahrelangen Vorlauf.“
Viele deutsche Konzerne seien bereits stark in den USA präsent, sagte die frühere Lufthansa-Finanzchefin. „Womöglich investieren sie dann vor Ort noch mehr.“ Der Mittelstand habe es da schwerer. „Viele Firmen sind Weltmarktführer von Deutschland aus, sie können nicht einfach von heute auf morgen ein Werk woanders aufbauen.“
Weltbank: Zölle könnten Wachstum weiter ausbremsen
Das Wachstum der Weltwirtschaft stabilisiert sich nach aktueller Prognose der Weltbank auf niedrigem Niveau und soll sich in diesem und im kommenden Jahr bei 2,7 Prozent einpendeln. Die Experten mit Sitz in Washington warnen jedoch vor den negativen Auswirkungen, die etwa weitreichende Zölle haben würden. „Der Zeitpunkt und das Ausmaß möglicher Änderungen in der Handels- und Finanzpolitik der USA sind derzeit unklar.“ Dies trübe den Ausblick. Schätzungen deuten darauf hin, dass eine Erhöhung der US-Zölle um 10 Prozentpunkte gegenüber allen Handelspartnern das globale Wachstum in diesem Jahr um 0,2 Prozentpunkte verringern könnte – wenn keine Vergeltungsmaßnahmen ergriffen werden. „Der erwartete negative Effekt könnte sich verstärken, wenn proportionale Vergeltungszölle berücksichtigt werden“, heißt es in dem Bericht der Weltbank. Das weltweite Wachstum würde dann im Jahr 2025 um insgesamt etwa 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen. (cs/dpa)